An diesem Wochenende beginnen sie: die 40. Tage der Goslarer Kleinkunst. Darauf freue ich mich, wie auch manch anderer aus Stadt und Land. Ein buntes Programm zum Lachen und Nachdenklich sein, viele Menschen, die das Kulturkraftwerk besuchen werden in den nächsten Tagen. Es wird bestimmt gut. Aber keine Angst, ich will jetzt weder Werbung für die Tage der Kleinkunst machen noch als Kritiker meine Meinung zum Programm kundtun. Mir geht es um etwas anderes. Immer wieder bin ich im Kulturkraftwerk davon begeistert, dass Menschen das alles ehrenamtlich ermöglichen, begleiten, mit Leben füllen. Sich für andere einsetzen, für eine Sache, ein Projekt, das einem wichtig ist. Darum geht es – im Kleinkunstverein genauso wie in der Feuerwehr, beim Sportverein, den Schützen, in Chören und Musikgruppen, der Tafel, dem Schulelternverein, der Kirchengemeinde und und und. Wenn man wirklich mal erforschen und aufschreiben würde, wo bei uns im Landkreis Menschen ehrenamtlich tätig sind, dann würde da eine sehr lange Liste herauskommen. Und man würde vielleicht staunend darauf schauen und sagen: Das hätte ich nie gedacht! Und vielleicht stellt man auch fest: Ich gehöre dazu! Ich bin dankbar für die vielen, die sich einsetzen, Dinge anpacken, unser Leben mitgestalten als Ehrenamtliche. Manchmal im Verborgenen, kaum bemerkt. Aber doch unendlich wichtig für unsere Gesellschaft, für unser Miteinander.

Auf der anderen Seite weiß ich auch: Es werden weniger, die sich ehrenamtlich engagieren können oder wollen. Die Welt um uns herum verändert sich. Der Beruf fordert mehr Zeit, es gibt so viele Dinge, die ich in meiner Freizeit tun kann. Und mancher und manche fragen auch: Was bringt mir mein Engagement für den Lebenlauf und mein berufliches Vorankommen? Oder man will sich nicht mehr mit 'Haut und Haaren' engagieren, sondern zeitlich begrenzt für ein ganz bestimmtes Projekt und Vorhaben.

Ich wünsche mir, dass sich immer wieder Menschen ansprechen lassen, bereit sind, sich einzubringen in Vereinen und Projekten. Mit ihren Ideen, ihren Begabungen und Fähigkeiten. Und auch wenn man kein Geld für dieses Engagement bekommt, so gibt es doch 'Gewinne': Das gute Gefühlt, mit anderen zusammen etwas zu bewegen. Gesten und Blicke des Dankes für geschenkte Zeit. Vielleicht Erfahrungen und Fertigkeiten, die ich in anderen Bereichen des Lebens einbringen, einsetzen kann. Das Wissen darum, dass ich meinen kleinen Teil zu einem bunten Leben in unserem Land betrage.

Ich finde, das sind alles gute Gründe für ein ehrenamtliches Engagement. Schauen Sie sich um – sie finden bestimmt andere, mit denen zusammen sie vieles gestalten können. Und ganz sicher auch Spaß und Freude erleben.


Martin Stützer, Pfarrer der Kirchengemeinde Oker




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