Wofür hat man Freunde?



„Hast Du Zeit? Ich muss unbedingt mal mit jemandem reden.“ „Kannst Du dir das mal ansehen? Ich komme damit nicht zurecht.“ „Du hast gesagt, ich könne mich melden, wenn Not am Mann ist… jetzt ist es soweit. Kannst Du mir helfen?“

Gut, wenn es Freunde gibt, zu denen man diese oder andere Sätze sagen kann. Und die dann nicht blöd reagieren. Sondern helfen. Zeit haben. Einfach da sind.

Dafür sind Freunde doch da, könnten Sie jetzt sagen. Ja, klar. Aber auch Freundschaften haben Grenzen und auch gute Freunde sagen nicht immer zu allem ja. So erzählt Jesus es in seinem Gleichnis von dem bittenden Freund, aufgeschrieben im Lukasevangelium, Kapitel 11. Da klopft einer mitten in der Nacht bei seinem Freund an die Tür und will etwas zu essen haben, weil er überraschend Besuch bekommen hat und jetzt mit leeren Händen dasteht, den Gästen nichts anbieten kann. Eine blöde Situation.

Aber der Freund im Haus reagiert ablehnend. Seine Frau, seine Kinder, die bei ihm im Bett schlafen- die wachen doch alle auf, wenn er jetzt aufsteht und Brot holt und die Tür öffnet. „Weißt Du wie spät es ist? Komm morgen früh wieder und lass mich jetzt schlafen.“

Der andere aber ist hartnäckig: „Bitte hilf mir- du bist doch mein Freund.“ Er lässt nicht locker, bis er bekommt was er will.

Selbst wenn ein Freund so reagiert, sagt Jesus, Gott wird sich nicht lang bitten lassen. Auch Gott dürfen wir bitten, fragen und dabei nicht lockerlassen.

Unmittelbar vor dieser Erzählung fragen die Jünger Jesus, wie sie beten sollen. „Lehre uns ein Gebet“, bitten sie und Jesus lehrt sie das Vater Unser. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass in diesem Gebet Jesu nicht einmal das Wort „Danke“ vorkommt? Das Vater Unser enthält tatsächlich nur Bitten!

„Bittet, so wird euch gegeben.“ (Lk 11,9) Auch diese Verheißung finden wir im Kontext des Gleichnisses von den beiden Freunden. Eine Freundschaft unter Menschen würde sicher auf eine harte Probe gestellt, wenn einer immer nur als Bittsteller kommt. Nicht so unsere Freundschaft mit Gott. Ihn sollen wir bestürmen mit allem, was uns auf der Seele liegt. Mit eigenen Sorgen, aber auch mit der Sorge um unsere Welt. Denn: „Wer bittet der empfängt. Und wer anklopft, dem wird aufgetan.“

Mit Gott ist es wie mit einem guten Freund, den ich um Hilfe bitte oder um ein offenes Ohr. Wie weit die Hilfe geht, und worin sie besteht- das überlasse ich am besten der Freundin oder dem Freund. Ich weiß im Vorfeld nicht, welche Antworten oder Empfehlungen ich bekomme, wenn ich die Freundin oder den Freund um Rat frage. Sonst müsste ich ja nicht fragen.

Was ich aber weiß und worauf ich mich bei guten Freunden verlasse: Sie hören mir zu, und ich bekomme keine doofe Antwort. Sondern ein offenes Ohr und im Zweifel

Jesus sagt: Mit Gott ist das allemal genau so.



Pfarrerin Dagmar Reumke, Kirchengemeinde St. Georg

 




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