Gott ist mächtig in uns!

 

Während Sie diese Worte lesen und dabei wahrscheinlich gemütlich Ihren zweiten oder dritten Becher Kaffee genießen, kämpft die 16jährige Greta Thunberg in den tosenden Wellen des Nordatlantik gegen Seekrankheit und Einsamkeit. Sie hätte das Flugzeug nehmen können oder ein bequemes Kreuzfahrtschiff. Doch sie hat ein winziges Segelboot gewählt, um – zumindest symbolisch - emissionsfrei zu ihrem Ziel zu gelangen, dem Klimagipfel in New York. Anderes kam für sie einfach nicht in Frage. Mir als „Landratte“, dem schon beim bloßen Gedanken an Wellengang übel wird, flößt dieses konsequente und authentische Handeln höchsten Respekt ein. Eine Jugendliche geht neue Wege und rüttelt uns satte und bequeme Menschen auf aus unserer Lethargie, mit der wir – und zwar seit Jahrzehnten - dem ökologischen Kollaps entgegentaumeln.

 

Ich weiß nicht, ob Greta besonders religiös ist. Wahrscheinlich eher nicht. Und doch steht über ihrem verzweifelten und friedlichen Engagement ein besonderes Verspechen Jesu, der einmal gesagt hat: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor. 12,9) Diese Zusage macht mir Mut. Wir haben einen Gott, der nicht ein Freund der Starken und Mächtigen dieser Welt ist. Im Gegenteil. Er sucht und erwählt gerade die „kleinen“ Leute, Menschen ohne sichtbaren Ein-fluss, über die andere lächeln, die übersehen und ausgegrenzt werden. Egal ob Mose, David, Daniel, Jona oder Paulus, die Propheten oder die Jünger Jesu, sie alle waren Menschen, wie du und ich. Keine (Glaubens-)Helden, sondern Persönlichkeiten mit deutlichen Schwächen, die sich an anderen schuldig gemacht haben und Krisen und Versagen erleiden mussten. Aber gerade das macht sie für uns zum Vorbild. So wie Greta. Sie ist keine Heilige und wer sucht, wird Kritikpunkte finden. Dennoch können wir von ihr lernen, zu unseren Überzeugungen zu stehen und neue Wege zu gehen. Finden wir uns nicht ab mit den Problemen dieser Welt, mögen sie uns auch noch so groß erscheinen. Bei Greta fing es mit einem kleinen Pappschild an, heute ist sie das Gesicht einer Generation, die um ihre Zukunft fürchtet und für sie kämpft. Weil Gottes Macht in uns kleinen Leuten mächtig ist, gibt es Hoffnung. Darauf dürfen wir bauen.


Martin Feuge, Pfarrer der Propstei Goslar

 

 


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