Mit dem Film „Maria Magdalena“, der gerade in den Kinos angelaufen ist, mischt sich Hollywood in unsere Ostervorbereitungen ein.

Welches Bild haben wir von Maria Magdalena? Galt sie im frühen Christentum noch als gleichberechtigte Apostolin im Kreis sonst männlicher Apostel, wurde Maria Magdalena unter Papst Gregor dem Großen im 7. Jahrhundert zur typischen Büßerin erklärt, die sich voller Reue über ihre fleischlichen Sünden Jesus von Nazareth anschloss. Das Bild der geläuterten Prostituierten hielt sich dann Jahrhunderte lang in der christlichen Kultur. Erst 2016 hat Papst Franziskus sie mit den Aposteln wieder gleichgestellt. Ihr komme als Zeugin und Verkünderin der Auferstehung Jesu eine Schlüsselposition unter den Jüngern zu.

Eine Fülle von biblischen Textstellen legt in der Tat den Gedanken nahe, dass Maria aus Magdala im Jüngerkreis eine zentrale Figur war, steht doch ihr Name in den Frauenlisten der synoptischen Evangelien immer an erster Stelle.

In der Gnosis, einer religiösen Bewegung der damaligen Zeit, wird überliefert, dass Maria Magdalena die Gefährtin Jesu gewesen sei. Das „Evangelium der Maria“, das auf die zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts datiert wird, ist möglicherweise nach ihr benannt. Doch bleibt diese Zuordnung unsicher. Das Evangelium besteht im ersten Teil aus Dialogen zwischen dem auferstandenen Jesus und seinen Jüngerinnen und Jüngern. Maria besitzt danach ein außergewöhnliches Vertrauen zu Jesus und kennt besondere Offenbarungen, die die Jünger nicht kennen, und sie teilt diese mit: als Mittlerin und Verkündigerin der göttlichen Wahrheit.

Jenseits der Frage, ob Maria Magdalena etwas mit diesem Textzeugnis zu tun hat, ist es sicherlich gut, wenn wir zur Kenntnis nehmen, dass es mehr Evangelien gibt, als die vier für die Bibel ausgewählten. Mehr als dreißig solcher Schriften sind heute bekannt.

Aber die Frage bleibt: Waren Jesus und Maria Magdalena nun ein Paar oder nicht? Auch hier wird der Film unsere Phantasie beflügeln.

Wichtiger ist für mich, dass in vielen christlichen Gemeinden Frauen ganz offenbar die Chance ergriffen, aus überkommenen Rollenmustern auszubrechen. Auch das Maria Magdalena in einer der apokryphen Schriften, in der „Pistis Sophia“ die Rolle als Deuterin der Heiligen Schrift bekommt, finde ich bemerkenswert.

Von daher bin ich gespannt, welchen neuen Bilder der Film inszeniert. Gemessen an der meist die Frauen abwertenden, christlichen Bildgeschichte kommen schon kleinste Verschiebungen einer Neubewertung gleich.

Genau darin liegt für mich das Versprechen dieses Films: zu neuen, anderen Bildern zu finden. Auf dass die Ostergeschichten farbig werden!

 

Ralph Beims, Pfarrer an der Marktkirche und am Ratsgymnasium


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