Nie mehr geistlos!

 

„Wes Geistes Kind sind Sie eigentlich? Oder sind Sie etwa von allen guten Geistern verlassen?“ In verschieden Wendungen unserer Sprache kommt er noch vor, der Heilige Geist. Bei den ersten Christen war er von höchster Bedeutung. Im zweiten Brief des Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus macht er ihm Mut: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim. 1,7) D.h. da, wo Gottes Geist weht, haben Angst und Zögerlichkeit keine Chance, sondern da handeln Christen kraftvoll, besonnen und liebevoll. Wichtige Eigenschaften, die der Geist in seinem Gepäck hat und die wir dringend brauchen, um unsere Zukunft anzupacken.

 

„Man muss immer dahin gehen, wo der Heilige Geist weht. Deshalb machen wir hier mit.“ Diese Worte eines bayerischen Kollegen sind mir gut im Gedächtnis geblieben. Er bezog sich damit auf eine Freizeit, an der Jugendliche unserer Gemeinden zusammen teilnahmen und brachte auf den Punkt, worauf es ankommt. Als Christen brauchen wir immer wieder neu den Kontakt und die Stärkung durch den Heiligen Geist. Schon der große amerikanische Bürgerrechtler und Pastor Martin Luther King warnte: "Wenn die christliche Kirche nicht den Heiligen Geist wiedergewinnt, der die frühe Kirche beseelte, so wird sie ihre Glaubwürdigkeit verlieren.“ Müssen wir den Heiligen Geist also wiedergewinnen als Kirche und als Christen? Ist er uns gewissermaßen abhandengekommen? Tatsache ist, dass der Heilige Geist heute vielen Menschen fremd geworden ist. Tatsache ist aber auch, dass dort, wo der Heilige Geist wirkt, Menschen und Gemeinden gleichermaßen aufblühen. Da muss ich hin, wenn ich den Geist Gottes erfahren will als lebendige und Leben schaffende Kraft.

 

Ich möchte uns mit Paulus Mut machen, nicht mit Furcht, sondern mit der Kraft, Liebe und Besonnenheit Gottes die Probleme der Zukunft anzugehen. Der Klimawandel, das Artensterben, die ökologische Katastrophe, unsere Bundeskanzlerin hat die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sehr richtig als „Menschheitsaufgabe“ bezeichnet. Derzeit starren wir aber immer noch wie das Kaninchen auf die Schlage, da vertagen wir und zögern und zaudern. Wir als Christen haben da eine wichtige Funktion. Wir schöpfen aus einer Kraftquelle, die einen Beitrag liefern kann, jetzt aus dem Kleinklein auszubrechen und die Problem wirklich abzupacken. Schaffen wir dem Geist wieder mehr Gehör und auch Raum in unseren Herzen, in unseren Gemeinden und inmitten unserer Gesellschaft. Treten wir der Resignation und dem Hass entgegen, den Todschlagargumenten, mit denen versucht wird, beherztes Handeln auszubremsen. Ich sehe gerade so viel Kreativität, so viele gute Ideen für eine bessere Zukunft, dass ich glaube, dass Gott uns noch lange nicht aufgegeben hat. Möge er seinen Geist in unsere Herzen ausschütten.

Pfarrer Martin Feuge

 

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