Ewigkeitssonntag



Knapp fünf Wochen vor Silvester beginnt die letzte Woche des Kirchenjahres.

Seltsam, erzählen mir meine Konfis. Ist doch viel zu früh! Das Jahr ist doch noch gar nicht vorbei?

Ist doch noch Zeit!


Im Nachdenken über die Zeit kommen ihnen interessante Gedanken. Dass wir manchmal denken, wir hätten gar keine Zeit! Alles ist so schnell vorbei, der Sommer, die Ferien, die Momente, die glückliche Erinnerungen in sich tragen.

Andere Zeit dagegen ist bleischwer und dauert länger als uns lieb ist: manche Mathestunde, das Warten auf den Geburtstag oder Weihnachten, das Krank-Sein.

Zeit erleben wir eben sehr unterschiedlich.


Viele Menschen werden an diesem Sonntag in die Kirchen kommen. Namen ihrer Angehörigen, von denen sie Abschied nehmen mussten, werden verlesen. Ein Licht wird entzündet als Zeichen der Erinnerung und  Hoffnung, dass unsere Verstorbenen nicht im Dunkel der Vergänglichkeit verloren sind. Es ist ein Symbol der Sehnsucht – Gottes ewiges, wärmendes Licht möge uns halten, wenn uns unsere Vergänglichkeit bedroht.

Eine ganze Woche Zeit bekommen wir geschenkt, um dem nachzuspüren, was wir erlebt haben: Abschiede, aber auch Glücksmomente. Sorgen, aber auch Bewahrungen. Ängste, aber auch Hoffnung. Tränen, aber auch Freude. Eine Woche geschenkte Zeit, bevor wir im Advent neue, andere Lichter der Hoffnung entzünden werden.


Das Kirchenjahr endet nicht mit Böllerschlägen. Am Himmel wird es keine Lichtshow geben wie am Silvesterabend. Es wird auch keinen nahtlosen Übergang geben von alt zu neu. Wir haben eine Woche Zeit, um uns einzustellen auf Gottes alte und neue Wege mit uns Menschen, Zeit zum Nach-Denken unseres Lebens, zum Nach-Fühlen der vergangenen Zeit. Vielleicht spüren wir dann auch, wie Erwartung erwacht – Hoffnung, die sich Bahn bricht. Dass Gott wirklich Neues für uns bereit hält, Neues, das wir selbst nicht machen können, sondern das uns geschenkt wird.

Im Warten liegt schon der Keim des Neuen – das wird der erleben und in sich entdecken, der nicht  gedankenlos von alt auf neu umstellt. Der Abschied aushält und Hoffnung Raum gibt. Der auf Gott baut in dunkler Zeit und Gottes Licht als Hoffnung für sich und diese Welt erwartet.


 „Himmel und Erde werden vergehen, aber mein Wort wird nicht vergehen!“ sagt Gott. Das Wort der Hoffnung, die Verheißung des Neuen, das Gott verspricht und das so ganz anders beginnt. Im Kind von Bethlehem.


Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen

Ihre Kathrin Reich, Pfarrerin

 





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